Kapitelverzeichnis

Ockershausen im Wandel der Zeit

Rückblick auf 150 Jahre Orts- und Vereinsgeschichte und der Einfluss der Politik.

- von Reinhold Drusel -

 

Im Westen der Stadt Marburg grenzt Ockershausen an die Kernstadt. Räumlich längst mit Marburg verbunden, ist ein Grenzverlauf nicht mehr erkennbar.

Wegen seiner Nähe zum landgräflichen Schloss und zur Stadtgehörte Ockershausen neben Cappel, Marbach uns Wehrda, zu den "Hausdörfern" im Dienste der Landesherrschaft. Eine erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1234 bezeichnet den Ort als "Okerhusin". Ockershausen war offenbar von Beginnan anders strukturiert als die anderen Dörfer in der näheren und weiteren Umgebung. Zu dieser Feststellung gelangt man bei näherer Betrachtung der Umstände, die den abweichenden Charakter des Ortes erklären.

  • Seit dem Mittelalter versorte Ockershausen drei Rittergüter, die in der relativ kleinen Feldgemarkung ( heute ca. 320 ha ) den Großteil der Fluren in Besitz nehmen.
  • Im ausgehenden Mittelalter wuchs die Zahl seiner Bewohner stark an. Die Zahl überstieg die der anderen Dörfer, obwohl deren Feldgemarkungen oft ein Vielfaches an Größe und Umfang erreichen.
  • Ockershausen gehört seit Mitte des 13.Jh. dem Kirchensprengel der Stadt Marburg an. Eine eigene Kirche hatte die Gemeinde Ockershausen zu keiner Zeit.
  • Die Bewohner standenüber viele Jahrhunderte in "Hand- und Spanndiensten" für die Landesherrschaft. Sie arbeiteten in der Feld- und Forstwirtschaft und in Frondiensten für die örtlichen "burgfreien" Güter.

Bei der späteren Überführung der Landflächen durch Landreformen in das Eigentum der vormals in den Frondiensten stehenden Landbevölkerung erhalten ca. 30% der Ockershäuser Familien Anteile an den aufzuteilenden Ackerflächen in der Gemarkung. Dies aber waren nur relativ wenige Äcker, denn die inzwischen eingerichteten Stiftungen in Ockershausen

  • Wolff´sche Stiftung
  • Hombergk-Schenklengsfeld´sche Stiftung

behalten natürlich den verwalteten Grundbesitz in ihrem Eigentum. Die nicht mit Landbesitz bedachten Bürger bildeten in der Mehrzahl weiterhin den Großteil der Tagelöhner und Landarbeiter. Sie sind Botengänger und Dienstleister für die Landesherrschaft.

  • Es herrschte oft bittere Armut unter den Besitzlosen in Ockershausen. Dis führte in der Mitte des 19. Jh. zu größeren Auswanderungswellen in die USA. Etwa 50 Männer, Frauen und Kinder aus Ockershausen, nahmen den beschwerlichen Weg über den "großen Teich" auf sich.
  • Im "alten "Dorf entwickelte sich in dieser Zeit eine "Zweiklassengesellschaft". Auf der einen Seite gab es ca. 30 bis 40 Kleinbauernfamilien, von denen kaum eine über mehr als 4 - 6 Hecktar Ackerland verfügte. Auf der anderen Seite wuchs die Zahl der "geringen Leute " ohne Landbesitz. Ihre Stimme zählte nicht viel im Ort. Die "Klein-Bauern", oft ausgestattet mit dem Stolz von "Groß-Bauern", bestimmten und beherrschten das Ortsgeschehen in Ockershausen.

Zeitenwende

Die im Jahre 1866 einsetzende Herrschaft Preußens in Kurhessen führte - nicht nur in Marburg -zu einer völlig neuen Entwicklung. Ein Bauboom von nie gekannten Ausmaß beförderte die Entstehung einer veränderten Arbeitswelt. Die Tagelöhner und Landarbeiter aus Ockershausen fanden nun in der nahen Stadt Lohnarbeit im Bauhandwerk, als Stein-hauer und Steinmetze, als Ziegelbrenner, als Maurer, als Weißbinder, Anstreicher und Fabrikarbeiter. Zum ersten Mal erhielten die vormals ärmsten Familien ein bescheidenes Ein- kommen. Auch die politischen Verhältnisse in Deutschland veränderten sich in dieser Zeit dramatisch. Nach Überwindung vieler Hürden zwischen den deutschen Kleinstaaten führte das Jahr 1871 zur nationalen staatlichen Einigung, zum Deutschen Reich und zu Kaiser Wilhelm I.

Im Deutschen Reich entfaltete sich die Euphorie eines neuen, nationalen Bewusstseins. "Preußischer Geist" zog in die öffenentlichen Ämter  und in die Schulen ein. Disziplin und Gehorsam gehörten zu den angeordneten Tugenten, denen niemand widersprach.

In diesen Jahren des staatlichen und gesellschaftlichen Wandels, der zur Überwindung der größten Nöte unter den Bürgerinnen und Bürger der unteren Schichten führte, entwickelte sich das bürgerliche Vereinswesen. Es entstanden im ganzen Reich die zahllosen Männer-gesangvereine. So auch im Jahre 1867 in Ockershausen.

Die Männergesangvereine, mehr noch die jungen Turnvereine, unterlagen allerdings der kritischen Beobachtung durch die Obrigkeit, stets besorgt, dass sich die "neuen Freiheiten" gegen die Staatsraison ausrichten könnten. In den Männergesangvereinen, die in regionalen Gauen organisiert waren, erklangen nun, dem neuen nationalen Geist entsprechend, neben den alten Volksliedern und Kirchenliedern, die Lieder der Heldenverehrung und der Vater-landstreue. Das Lied "Die Wacht am Rhein" wurde beispielgebend in den Vereinen und in den Schulen gesungen.

Bei den frühen Gesangswettsteiten, bei denen auch die Ockershäuser Sänger teilnahmen, sangen die Chöre in verschiedenen Klassen. Dabei war jeweils ein vom Sängergau für alle Teilnehmer vorgegebener Chorsatz zu singen. Ein zweites Lied, dass der Chor selbst auswählen durfte, musste beim Gau rechtzeitig angemeldet und von der staatlichen Überprüfung genehmigt werden. Diese Prozedur dauerte oft Monate und diente dem Zweck, unliebsame, aufrührerische oder gar staatgefährdende Texte gar nicht erst zuzulassen.

Die Mehrzahl der Männergesangvereine auf dem Lande wurde von den örtlichen Schullehrern geleitet. Der neue, obrigkeitsnahe nationale Zeitgeist nahm über den Schulbetrieb Einzug in die Gesellschaft. Auch in den Vereinen ließen "Disziplin und Gehorsam" der Entfaltung des freien Geistes nur wenig Spielraum. Dies könnte ein Anlass dafür gewesen sein, dass ein Teil der jüngeren, den freiheitlichen Idealen nachstrebenden Generation, der Bevormundung im Alltag entgehen wollteArbeitergesangvereine. In den Stadtgesellschaften führten die aufkommenden sozialen Bestrebungen zunehmend zu Konflikten mit den staalichen Organen.

In den expandierenden Industriestädten entstanden sozialfürsorliche Einrichtungen und soziale Kooperationen wie Arbeiterbildungsvereine und Arbeiterturnvereine. Davon war man auf dem Lande noch weit entfernt.

Und die Situation in Ockershausen?

Völlig abweichend von den überwiegend ländlichen Strukturen im Marburger Land und der Universitätsstadt Marburg selbst, hat sich Ockershausenin dieser Zeit vom Kleinbauern- und Tagelöhnerdorf zu einem überwiegendem Arbeiterdorf entwickelt. Vieleicht war dies die Ursache, die im Jahre 1888 zur Spaltung des Männergesangvereins führte. Es war offen-sichtlich auch ein Ausdruck des Protestes der Jüngeren gegen die Älteren. Ein Auflehnen gegen allzu viel Gehorsam und Disziplin und ein Weg zur offenen Mitgestaltung in der Gesellschaft.

Eine Parallele finden wir in der Gründungsphase des Turnvereins Ockershausen von 1898. Im Kaiserreich argwöhnisch beobachtet von den Staatsorganen ( in Ockershausen von Fußgendarm Trott), orientierten sich die Turner an den freiheitlichen Idealen "frisch - fromm - fröhlich - frei". Sie sahen sich anfangs ständiger Überwachung ausgesetzt und der "sozialistischen Umtriebe" verdächtigt.

Nach dem sogenannten Sozialistengesetz (1878 - 1890 ) war die Gründung von Turnvereinen lange Zeit wegen "staatsgefährdender Zusammenrottung" untersagt. Die Turner trafen sich daher in dieser Zeit in unverdächtigen Kultur- und Gesellschaftsclubs oder in Raucherclubs in den Gaststätten. Hier konnten sie in den Hinterzimmern, von der Obrigkeit unbemerkt, Sport treiben, freiheitliche Lieder singen oder gar politische Diskussionen führen. So war z.B. das Gasthaus Lederer am Barfüßer Tor ein Treffpunkt der Ockershäuser Turner.

Auch in Ockershausen führte die Gründung des Turnvereins auf den unverdächtigen "Pfeifen- club Ockershausen 1895" zurück. Die historische Vereinsfahne des TSV weist auf diesen kuriosen Start der Ockershäuser Turner hin. Gründungsmitglieder waren ausschließlich Arbeiter und Handwerker.

 

 

Obwohl das für jede Vereinstätigkeit einschneidende Sozialistengesetz bereits im Jahre 1890 durch Kaiser Wilhelm II. aufgehoben war, wurde es in den ländlichen Gebieten von den örtlichen Polizeikräften weiter hin noch lange Zeit gegen vermutete "staatgefährdende" Vereinsgründungen duch fortgesetzte Überwachung angewendet. So geschehen auch in Ockershausen.

Die Risse in den frühen Vereinsstrukturen sind  - nicht nur in Ockershausen - ein Indiz für Konflikte zwischen Jung und Alt, dem Elterhaus und der Dorfgemeinschaft. Sie kennzeich-neten die gesellschaftliche Trennlinie zwischen den (Klein)-Bauern und der wachsenden Arbeiterschaft im Ort ebenso wie in den unterschiedlichen politischen Orientierungen.

 

Vereine rücken in den Vordergrund

Ein Blick auf die frühen Vereine in Ockershausen vermittelt uns ein außerordentlich erfolgreiches Vereinswirken. neben den Sängern, die sich zugleich in zwei Gesangvereinen weit über das Maß des dörflichen Chorgesangs im Wettbewerb mit den Stadtvereinen bewährten, war es auf der sportlichen Ebene zunächst der Radfahrverein "Sport Ockers-hausen 1910", der in der Sportart des Radrennens und des bunten Corso - Fahrens bei den Festumzügen große Anerkennung fand. 

Zehn Jahre später, im Jahr 1920, gründeten die Ockershäuser Fußballanhänger den legendären  FV Ockershausen, der schon bald die Fussballwelt weit über Marburg hinaus in Erstaunen versetzte. Sein "kometenhafter" Aufstieg begann im Jahr 1925. Dem FV Ockershausen gelang nachfolgend Jahr für Jahr der Aufstieg in den Spielklasssen: C-Klasse, A-Klasse, Kreisklasse und Bezirksklasse und führte den Verein im Jahr 1930 bis in die höchste deutsche Spielklasse, die "Gau-Bezirksliga Hessen - Hannover - Gruppe Süd".

Unvorstellbar die Euphorie, die den gesamten Ort in dieser Zeit ob des außerordentlichen Erfolges erfasste. Ockershausen als einziger Dorfverein im ganzen Land in der höchsten deutschen Fußballspielklasse. Man rieb sich, nicht nur in Ockerhausen, verwundert die Augen. Natürlich kann man die Bedingungen in dieser Zeit mit den heutigen Gegebenheiten im Profi-Fußballsport nicht vergleichen. Aber es war wiederum Ockershausen, das mit abweichenden Ergebnissen vom üblichen Trend aufwartete, beim Chorgesang wie beim Sport. Und politisch ...?

Bei den Reichstagswahlen wählte man in Ockershausen links, nach 1919 bis 1933 sogar zu 60 - 70 % SPD und KPD. Im Stadt- und im Landkreis erreichten Linksparteien in dieser Zeit 15 - 18 %. Handfeste politische Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten fanden im hiesigen Raum nur in Ockershausen statt, mit dem Höhepunkt der berüchtigten "Saalschlacht" im Gasthof Ruppersberg im Februar 1931. "Ausrotten wollte man das rote Nest". Dies war die Losung der SA im braunen Marburg.

Zur gleichen Zeit - 1931 - verlor Ockershausen durch die Eingemeindung zur Stadt Marburg die Selbstständigkeit. Einen Ortsbeirat hatte man nicht vorgesehen. Auf ihre Probleme im Ort konnten die Ockershäuser selbst keinen Einfluss mehr nehmen.

Ockershausen wurde danach mehr und mehr allein durch seine erfolgreichen Vereine reprä-sentiert.

Es sollten noch 70 Jahre ins Land gehen, bis der Verlust der Eigenständigkeit nach der Eingemeindung zur Stadt Marburg im Jahr 2001 durch die Einrichtung eines Ortsbeirates in Ockershausen korrigiert werden konnte. Aber auch dazu leisteten die Vereinsvertreter maßgebliche Vorarbeit und Unterstützung.

In Ockershausen war und ist eben alles anders.

                              

 

 

 

Turn- und Spielverein 1898 e.V. Martrburg - Ockershausen

- von Wilfried Sauer -

(unser langjähriger 1.Vorsitzender)

 

Gründung und Ziele des Vereins:

Am 17.06.1898 wurde der bis dahin bestehende Geselligkeitsverein "Pfeifenclub Ockershausen" aufgelöst und von 17 Mitgliedern der Turnverein gegründet. Die Gründer des Turnvereins waren sich darüber im klaren, daß sie von nun aneine größere Verantwortung zu tragen hatten. Es mußte eine Übungsstätte  gefunden werden, und Turn- und Sportgeräte waren zu besorgen, um der Jugend Ansporn zu geben, sich körperlich zu betätigen und dem Verein neue Mitglieder zuzuführen.

 

Fehlende Übungsmöglichkeiten bei wachsender Mitgliederzahl

Da zunächst keine Turngeräte angeschafft werden konnten, wurden Eisenhandeln gekauft und damit trainiert. Die ersten Übungsstunden füllten die Turner daher mit Gewichtheben. Erst nach und nach konnten einige Geräte hinzu erworben werden, doch die Geräte waren sehr teuer. Ein Spannreck kostete immerhin 53 Mark. 1898 lag der Beitrag von November bis April bei 30 Pfennige und von Mai bis Oktober bei 40 Pfennige. Zöglinge mußten 25 Pfennige bezahlen. Die größte Schwierigkeit für den Übungsbetrieb war die Raumnot, da man auf die Säle von Gastwirten angewiesen war und diese oft sehr hohe sehr hohe Saalmieten forderten. In 9 Jahren musste man das Turnlokal 8 mal wechseln. Oft wurde der Turnbetrieb nur im Freien abgehalten. Trotz der Schwierigkeiten wuchs die Mitgliederzahl des TSV bis zum Jahr 1907 von 17 auf 79 an. Der Verein hatte sich 1903 der deutschen Turnerschaft angeschlossen.

Bis zum 1.Weltkrieg 1914 war im Turnbetrieb eine stetige Aufwärtsentwicklung festzustellen. Von 1914 bis 1918 kam das Vereinsleben nahezu zum Erliegen. 30 Mitglieder kehrten aus dem Krieg nicht mehr nach Hause zurück. Im Jahr 1918 wurde der Turnbetrieb mit den verbliebenen Mitgliedern wieder aufgenommen und 1923 zählte der Verein 118 Mitglieder, 14 Jugendliche und 22 Schüler. Durch das erfreuliche Anwachsen der Mitgliederzahlen auf der einen Seite, aber durch die schlechten räumlichen Möglichkeiten auf der anderen Seite, ergab sich eine immer größer werdende Sorge, neue und bessere Übungsstätten zu schaffen.

Im Jahr 1926 glätteten sich die Sorgenfalten, denn den Vorstand erreichte nach vielen Verhandlungen die erfreuliche Nachricht, daß der Schulsaal am Zwetschenweg dem Turnverein zur Verfügung gestellt werden sollte, da er für Schulzwecke nicht weiter verwendet werden konnte. Dieses Entgegenkommen der Stadt machte den Weg zur weiteren Entwicklung frei. Die entsprechenden Räumlichkeiten sind bis heute ausschlaggebend für die zuverlässige Vereinsarbeit.

 

 

1928 - Ein Spielmannszug wurde gegründet

Das Jahr 1928 war ein Meilenstein in der Vereingeschichte, denn einige musikbegeisterte Turner riefen innerhalb des TSV ein Trommler- und Pfeifencorps ins Leben und nannten sich "Spielmannszug im TSV". Wenn es auch nur eine kleine Gruppe war, so verstand man es doch, durch fleißiges Üben beachtliche Leistungen zu erreichen und des öfteren bei öffentlichen Veranstaltungen hinzugezogen zu werden. Die Lebensdauer des ersten Spilmannszuges war jedoch kurz, denn durch äußere Einflüsse veranlasst, löste sich die Abteilung im Jahre 1934 wieder auf. Erst im Jahre 1950 startete der Spielmannszug des TSV mit 15 Turnern wieder einen Neubeginn.

 

Ein unfreiwilliger Einschnitt in der Vereinsgeschichte

1937 bis 1950

Am 7.August 1937 erfolgte die Zusammenlegung des TSV mit dem Fussballverein FSV Ockershausen. Mit diesem Zusammenschluß wendeten die Ockershäuser Vereine, die in diesem Jahren politisch forcierten Zusammenlegung mit den Sportvereinen in der Stadt Marburg ab. Es folgten die Jahr der Nazi - Herrschaft und bald der von ihr entfachte Weltenbrand. Erhebliche Verluste mußten auch die aktiven Turner duch den 2. Weltkrieg hinnehmen, denn eine große Zahl Mitglieder kehrte nicht nicht mehr zurück. Wenige Jahre nach Kriegsende wurde die unfreiwillige Zwangsehe der Turner und der Fussballer in Ockershausen wieder aufgelöst. Die Vereine widmeten sich fortan wieder ihren eigenen sportlichen und Vereinszielen.

Entwicklung und Ziele nach dem 2. Weltkrieg

Ein neuer Anfang

Im Jahre 1950 nahm der TSV nun wieder als selbstständiger Verein seinen Turnbetrieb erneut auf. Große Schwierigkeiten bereitete es zunächst, die Turngeräte, die zum Teil im Freien gestanden hatten, wieder zusammenzutragen und auszubessern. Die Turnhalle wwurde ebenfalls von einigen Mitgliedern in vielen Stunden hergerichtet. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, den Übungsbetrieb aufleben zu lassen. In der nun folgenden Zeit stieg die Mitgliederzahl rasch an, Die Übundsstunden wurden gut beschucht, so daß der Verein schon bei den nächsten Gauturnfesten beachtliche Erfolge erzielen konnte.

Am 5.02.1951 schloss sich die im Jahre 1948 gegründete Tischtennisabteilung dem TSV an. Die junge Abteilung sollte schon bald weit über die Vereinsgrenzen von sich reden machen.

Auch eine Handballabteilung war lange Jahre aktiv

Die Aufstellung einer Handballabteilung fand bereits im Jahre 1929 statt. In verhältnismäßig kurzer Zeit zählten die Mannschaften dieser Abteilung mit zu den Besten im Bezirk. Dieser Erfolg wurde bis zum Beginn des 2. Weltkrieges weiter gefestigt. Der Krieg brachte die Handballabteilung zunächst ebenfalls zum Erliegen, denn der größte Teil der Handballer wurde eingezogen und eine große Anzahl von ihnen, kehrte nicht wieder zurück. Im Jahr 1948 entstand die Abteilung wieder neu. Mehere Handballmannschaften trainierten fleißig und errangen beachtliche Erfolge. Es wurde vorwiegend Feldhandball gespielt. Mitte der 50er Jahre erlosch der Spielbetrieb bei den Senioren mit der Umstellung aus Hallenhandball. Außerdem ließ sich die Übungsleiterfrage nicht zur Zufriedenheit der Abteilung regeln. Die Jugend des TSV beteiligte sich jedoch noch bis in die frühen 60er Jahre aktiv auf Bezirksebene bei Hallenhandballturnieren mit wechselten Erfolgen.

Die Lösung des Raumproblems

Bald nach Wiederaufnahme der Übungsstunden und nachdem sich eine große Zahl von neuen Mitgliedern - darunter viele Kinder und Jugendliche - dem Verein angeschlossen hatten, wurde das alte Problem der Raumfrage zur beständigen Sorge für die Verantwortlichen des TSV. Der Turnraum der "Neuen Schule" am Zwetschenweg mit nur 54 qm Bodenfläche, war für die Bedürfnisse viel zu klein und auch zu niedrig. Der Bau einer neuen Turnhalle scheiterte jedoch an der Platz- und Geldfrage. So kam man auf den Gedanken, das Gebäude durch einen genügend großen Anbau zu erweitern. Rührige Vereinsmitglieder ersuchten die Stadtverwaltung um Genhmigung eines entsprechenden Anbaus. Nach mühseligen Vorgesprächen und Vorarbeiten, konnte eine Genehmigung zu einem Anbau an die kleine Turnhalle erreicht werden. Die Stadt Marburg und der Landessportbund beteiligten sich am Anbau. Vom TSV waren 20 Prozent an Eigenleistung aufzubringen, die in über 5000 freiwilligen Arbeitsstunden abgeleistet wurden.

Am 18. Oktober 1954 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen, am 30.Oktober 1954 der Grundstein gelegt, Am 14.Dezember 1954 fand das Richtfest statt. Die Einweihung der Halle erfolgte am 21.Januar 1956 - verbunden mit einem fröhlichen Fest der Turnerinnen und Turner und zahlreichen Gästen. Zug um Zug konnten auch die vorderen Räume, die bis dahin noch den Schulzwecken dienten, vom Verein übernommen werden. Aber trotz der hinzugekommenen Halle und der Räume im vorderen Haus, waren die Übungsmöglichkeiten auch nach der Erweiterung des Raumangebotes noch immer zu gering, so das ein weiterer Anbau - Bühne und Übungsräume für Musiker - notwendig wurde, der dann 1971 eingeweiht werden konnte.

Die Turnhalle ist dann nach und nach - unterstützt durch die Stadt Marburg und der freiwilligen Hilfe vieler Vereinsmitglieder erweitert und ausgebaut worden. In den folgenden Jahren wurde die Turnhalle völlig renoviert und mit Holz verkleidet, die vorderen Räume zu einem teilbaren Geselligkeitsraum mit Küche und im Keller Fitness - Räume eingerichtet. Es wurden viele Reparatur- und Verschönerungsarbeiten durch Vereinsmitglieder vorgenommen. Die Geräteausstattung hat der Verein - mit Hilfe von Zuschüssen - selbst erworben, so dass alle Geräte dem Verein gehören, der sie auch unterhält.

Inzwischen finden über die vereinseigene Turnhalle am Zwetschenweg 10 hinaus Übungsstunden in der Sporthalle des Gymnasium Philippinium, der Halle der Theodor-Heuss-Schule und der Halle der Kaufmännischen Schulen statt.

Protokollabschrift der Gründungsversammlung des

TSV Ockershausen vom 17. Juni 1898

In der Generalversammlung des Vereins "Pfeifenclub" Ockershausen vom 17.Juni 1898 beschloß dieselbe, sich aufzulösen und an seiner Stelle einen Turnverein treten zu lassen. An dem selben Abend noch wurden die Statuten aufgesetzt, verlesen und auch von dem Landesverband genehmigt. Der Verein "Pfefenclub" bestand an jenen Tagen aus folgenden Mitgliedern:

  1. Wilhelm Born                    Tagelöhner
  2. Johannes Becker             Instrumentenmacher
  3. Ludwig Corell                    Tagelöhner
  4. Hans Corell                        Maler
  5. Johannes Dittmar              Steinhauer
  6. Johannes Huth                   Steinhauer
  7. Martin Hilberg                    Schneider
  8. Daniel Hilberg                    Instrumentenmacher                    
  9. Konrad Lachmund             Gehilfe
  10. Theodor Kißling                 Laufbursche
  11. Johannes Mudersbach     Steinhauer
  12. Georg Nickol                      Steinhauer
  13. Georg Prediger                  Metzger
  14. Heinrich Peilstöcker          Weißbinder
  15. Jakob Pfingst                     Maler
  16. Heinrich Schneider           Tagelöhner
  17. Max Wohlfahrt                    Kaufmann

welche sämtlich dem Turnverein beitraten und folgende zum Militär einberufene Mitglieder

  1. Jeremias Hilberg               Weißbinder
  2. Heinrich Ludwig                 Laufbursche
  3. Heinrich Mudersbach        Maler

alle aus Ockershausen!

 

70 Jahre Musikabteilung des TSV1898

vom Spielmannzug zum Blasorchester

- von Klaus Becker -

Aus dem insgesamt vielseitigen und erfolgreichen Vereinsleben des TSV ist die Musikabteilung heute nicht mehr wegzudenken. Werfen wir einen Blick auf die Stationen dieser erfolgreichen Abteilung.

Im Mai 1928 legte ein gutes Dutzend musikbegeisteter junger Turner des TSV den Grundstein für ein "Trommler und Pfefencorps". Ein großes Problem war naturgemäß die Beschaffung der Musikinstrumente. Zum größten Teil beschafften sich die Mitglieder des Spielmannszuges die Instrumente aus eigenen Mitteln. Schon dieses zeugte von einer großen Opferbereitschaft, zu der jeder einzelne Spielmann bereit war. Der Turnverein steuerte zwei Querflöten bei, außerdem wurde eine Sammlung zur Anschaffung der Instrumente organisiert.

Die Aufbauarbeit konnte nun beginnen, mußte jedoch im Herbst 1929 unterbrochen werden, da die Turnhalle umgebaut wurde und der Spielmannszug keinen neuen Übungsraum finden konnte. Nach Abschluß der Umbauarbeiten, trat man am 23.03.1930 wieder zusammen und die begonnene Arbeit konnte mit neuem Elan fortgesetzt werden.

Bereits in den Wintermonaten des Jahres 1934 zeichnete sich eine Entwicklung ab, die zum vorläufigen Ende der in den Vereinen organisiereten Turnermusik führen sollte. Unter dem Druck der staatlich gesteuerten "Gleichschaltung" wurde die bis dahin von den Vereinen getragene Tätigkeit aufgelöst und vielfach in anderen "Einheitsformen" unter Kontrolle der Staatsorgane weitergeführt.

Die vereinseigenen Instrumente wurden vom TSV sichergestellt und für den Fall verwahrt, daß später wieder einmal ein Spielmannszug im Verein ins Leben gerufen werden sollte. Dies wurde erst sechs Jahre nach Kriegsende wieder möglich. Wieder waren es die Männer der ersten Stunde die um August Bröker, Theo, Paul und Georg Naumann u.a. ,den Neubeginn starteten. Bald schon war der Spielmannszug des TSV zu einem beliebten Klangkörper avanciert, der in den fünfziger Jahren bei Festzügen der Vereine in der näheren und weiteren Umgebung die Zuhörer begeistern konnte. Der große Durchbruch zu ganz anderen Höhen bahnte sich schon an.

Nahtlos erfolgte der Wechsel vom Spielmanns- und Fanfahrenzug zum Musikzug und später zum Blasorchester. Über viele Jahre hinweg gehörte die Musikabteilung des TSV Ockershausen mit seinem Orchester zu den führenden Gruppen im Bereich der Turnermusiker des Hessischen Turnverbandes. Auch über die Landesgrenzen hinweg konnte man sich einen anerkannten Namen machen. Viele Auslandsreisen gehörten zu den Auftritten. Zu erwähnen ist besonders die 11- tägige Auslandsreise des Orchesters nach Kanada. Hier spielten unsere Musiker mit weiteren 5 Kapellen beim Oktoberfest in Calgary.

Vorbildlich gestaltet man in der Musikabteilung von Beginn an die Jugend- und Nachwuchsarbeit. Es gelingt immer wieder junge Musiker auszubilden und in das Blasorchester einzubinden.

Ein scharfer Einschnitt in der Arbeit der Musikabteilung ereignete sich im Jahre 1981. Eine Trennung von dem hervorragenden musikalischen Leiter Günther Thursar hatte zur Folge, das ein komplett ausgebildetes Jugendorchester den Verein verließ. Eine kleine handvoll Jugendlicher blieb dem TSV treu und man konnte diesen Verlust erfolgreich auffangen. Die Musikabteilung bildete neue Jugendliche aus. Es entstand beim TSV ein neues Jugendblasorchester. Heute stehen in Marburg ( TSV Ockershausen und VFL ) zwei leistungsstarke Blasorchester, deren Entstehung ein Ergebnis der großen Aufbauleistung der Musikabteilung des TSV Ockershausen ist. Dem TSV Blasorchester unter der musikalischen Leitung von Kurt Rohde und Beate Becker, gehören zur Zeit ca. 30 aktive  Musiker an.

(Anmerkung der Redaktion: Seit 2016 ist Benjamin Voss der musikalische Leiter. Sehr große Verdienste um die Musikabteilung hat sich Herr Roland Knoke erworben, wie aus den Protokollen und Berichten der Musikabteilung aus dieser Zeit ersichtlich ist. Auch in späteren Jahren hat Roland Knoke die Musikabteilung unterstützt.)

Für junge musikalische Talente, die genug Energie und Ausdauer aufwenden, um das Musizieren mit einem Instrument zu erlernen, ist in der Musikabteilung des TSV zu jeder Zeit die Möglichkeit gegeben. Im  Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen des TSV veranstaltet das Blasorchester am 16.Oktober 1998 ein Konzert in der Stadthalle Marburg.

50 Jahre Tischtennis in Ockershausen

- von Udo Schneidewind -

Keine andere Sportart kann in Ockershausen auf eine so überzeugende und dauerhafte sportliche Leistungsstärke verweisen, als die dem TSV angeschlossene Tischtennisabteilung. Seit 50 Jahren Tischtennissport auf hohem Niveau in Ockershausen betrieben. Bei den Fußballern fing es im Jahr 1948 an. Unter der Leitung von Herrmann Kirch starteten die "Ping-Pong-Asse" der ersten Stunde.

K. Mudersbach, Kurt Richter,  Eugen Scheel, Willi Mühlhaus u.a. Sie standen noch im Schatten der früher gestarteten Marburger Vereine, wie z.B. der Vfl-Tischtennisabteilungum den erfogreichen Dr. Nothbaum. Im Jahr 1951 wechselte die TT-Abteilung vom FSV zum jetzt wieder eigenständigen TSV Ockershausen.

Mit Willi Mühlhaus, Dieter Schulze-Ravenegg und anderen, gelang schon in den fünfziger Jahren ein rasanter Aufstieg bis in die hessische Spitzenklasse. Schon bald konnte man im heimischen Raum die Spitzenposition vor der gesamten Marburger Konkurrenz erringen und lange Jahre verteidigen.Nach dem Zugang von einigen Leistungsträgern gelang der Aufstieg in die 2.Liga Süd-West, der zweithöchsten deutschen Spielklasse in dieser Zeit.

Nicht nur auf dem sportlichen Sektor spielte die TT-Abteilung für lange Jahrzehnte eine führende Rolle im heimischen Raum. Mit Dieter Schulze-Ravenegg stellte der Verein für mehr als 20 Jahre einen Spitzenfunktionär im Vorstand des Deutschen Tischtennisverbandes.

Nach 10jähriger Zugehörigkeit stieg die 1.Mannschaft mit den Spielern: H. Weitzel, W. Baldreich, M. Weiß, W. Mann, A.W. Woldt, und J. Fennel im Jahr 1977 aus der 2.Liga Süd-West ab.

Ein Neuaufbau nach dem Abstieg, u.a. mit dem Spitzenspieler Charles Butler, führte bereits 4 Jahre später zum Einzug in die 2. Bundesliga. Dort zog sich die TT-Abteilung des TSV nach 4jähriger Spielzeit im Jahr 1984 freiwillig zurück, bis zur heimischen Gruppenliga. Dieser Rückzug erfolgte, nachdem die Mannschaft auseinander brach und ein Neuaufbau unausweichlich wurde. Doch bald gelang es erneut, ein Team des TSV in die hessische Oberliga zu führen. Dies erfolgte nun in besonderer Weise durch das Engagement von Abteilungsleiter Werner Licht. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 1998, konnte man einem Abstieg aus dieser Klasse knapp entrinnen. Für die kommende Saison hat sich das Oberligateam im Einvernehmen mit Mannschaftsführer H. Weitzel , personell verstärkt durch zwei europ. Spitzenspieler. Dadurch wird sich auch das Gefüge der anderen Mannschaften des TSV im kommenden Spieljahr erheblich verbessern.

Die nachgeordneten Mannschaften des TSV gehörten in ihren Spielklassen  schon bisher zu den starken Teams. Hervorragende Plätze und Aufstiege in die jeweils höheren Spielklassen kennzeichnen den Weg der 2. und 3. Mannschaft des TSV.

Die 4. Mannschaft schaffte mit den dort eingesetzten talentierten Jugendlichen in diesem Jahr den Aufstieg in die Kreisliga.

Die entscheidene langfristige Weiterentwicklung, sieht die TT-Abteilung jedoch in der konsequenten Förderung des eigenen Nachwuchses. Hier wurden bereits beachtliche Erfolge erziehlt. Aus der Schülermeisterschaft des Jahres 1993 haben Jochen Tuchbreiter, Georg Kattenborn und Andreas Hagenbring bereits positive Ergebnisse im Oberligateam erzielen können. Gemeinsam mit den erfahrenen Spielern, die z.T. bereis seit mehr als 20 Jahren auf höchstem Niveau den Schläger schingen, wie Helmut Weitzel und Herbert Kattenborn oder Manfred Grün, Egbert Opitz, Ernst Strack, Rainer Meier und Udo Schneidewind, werden sie in der Bezirksliga, der Beriksklasse und Kreisklasse dazu beitragen, beim TSV auch in Zukunft die"Keule hoch" zu halten und kommende TT-Generationen des TSV auf größere Aufgaben vorzubereiten.

Rhönradturnen im TSV

 - von Annette Becker -

Wie es begann ....

Aus Anlaß des 12.Hessentages richtete der TSV am 18.Juni 1972 in der Universitätssporthalle die 14. Hessischen Meisterschaften im Rhönradturnen aus.

Den Wettkampf schauten sich auch drei Mädchen an und fanden Gefallen an dieser Sportart. Da es in Marburg aber noch keine Rhönradgruppe gab, fuhren sie zum Training nach Laubach zu Mie Baierl.

1974 standen diese drei Mädchen dann bei Sauers vor der Tür und wollten nun in Marburg Röhnrad turnen. Aus Gladenbach wurden drei Rhönräder gekauft und mit Christiane Damm eine kompetente Trainerin gefunden.Schnell fanden sich noch weitere Turnerinnen, die sich für das Rhönradturnen begeistern konnten und so wuchs die Abteilung schnell.

In der Turnhalle am Zwetschenweg war bald nicht mehr genügend Platz, ein Umzug in die Richtsbergturnhalle brachte die Lösung. Dort gesellte sich dann noch weitere Mädchen zur Rhönradgruppe.

Mit Schauauftritten bei Festen, auch beim 80jährigen Vereinsjubiläum des TSV, konnten sie ihre elegante Sportart demonstrieren und auf sich aufmerksam machen.

Wichtig ist in allen Gruppen das Miteinander uns sich gegenseitige Helfen. Bei uns steht neben jeder Turnerin bzw. Turner ein/e Helfer/in, so lernen die Kinder einerseits die Übung und gleichzeitig die Hilfestellung.

JEDER HILFT JEDEM - so lautet unser Motto!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, daß die Kinder nicht nur fachspezifisch ausschließlich mit dem Rhönrad trainieren. Das Training wird so gestaltet, das Kondition, allgemeine Körperspannung und Turnen an Geräten, wie Reck oder Minitramp, ein Teil der Übungsstunden sind. Regelmäßig nehmen wir an Wettkämpfen sowohl in der Landesklasse wie in der Bundesklasse teil und können uns mit den Ergebnissen sehen lassen.

Den Hessenpokal der Mannschaften in der Landesklasse haben wir seit 1993 jedes Jahr gewonnen!

Friederike Schindler wurde 1997 und 1998 in der Bundesklasse Süddeutsche und Deutsche Meisterin!

Trotz dem manchmal auftretenden Stress beim Wettkampf- und Schauturnen steht der Spass und die Freude am Sport an erster Stelle.

Rhönradturnen beim TSV Ockershausen

cronologische Bilanz seit 1974

  • 1974     Aufnahme des Trainings / Trainerin: Christiane Damm
  • 1978     Trainingsbetrieb in der Richtsberghalle
  •                Karin Meindl wird Hessenmeisterin
  •                Trainerinnen: K. Meindl, U. Michel,A. Beckmann
  • 1982     Deutsche Schülermeisterschaften in Marburg - TSV Rhönradteam ist mit dabei
  • 1983     Deutsches Turnfest / Hess. Meisterschaften - das TSV Rhönradteam plaziert sich
  • 1984     Kara Follmann u. IlkaStrathmann vom TSV sind in der Bundesklasse vertreten
  • 1985     Gute Platzierungen des TSV bei den Schülerwettkämpfen
  • 1986     Schauturnen beim Turngau OLE in Gladenbach
  • 1987     Deut. Turnfest in Berlin. Angelika Schwarz vom TSV erreicht in der L6 den 6.Platz
  • 1988     Teilnahme an den Schülerbestenwettkämpfen
  • 1989     Trainingsbetrieb in die Halle der Kauf.Schulen verlegt. Schauturnen in Marburg
  • 1990     Schülerbestenwettkämpfe - beste Platzierungen des TSV
  • 1991     Stefanie Holzke national u. international wieder plaziert
  • 1992     Generationswechsel beim TSV,Trainerinnen sind S.Holzke u. Annette Becker
  •                Erfolge u.a. bei den Hessischen Meisterschaften
  • 1993      TSV ist Ausrichter des Hessenpokals, Räderbestand ist auf 22 angestiegen.
  •                Rhönradabteilung findet landesweite Beachtung.
  • 1994     Rhönradgruppe wird Abteilung im TSV. Beim Deutschen Turnfest in Hamburg wird
  •               Kathrin Knäpper Siegerin vor 98 Teilnehmerinnen
  • 1995     Sieger beim Hessenpokal. Minigruppe für 8 - 10 jährige gegründet.
  • 1996     TSV richtet Hess.Meisterschaft aus. Erfolgreich sind:I.Heymann, K.Rimbach und
  •                Frederike Schindler
  • 1997     F. Schindler wird Hessische -, Süddeutsche- , und Deutsche Meisterin, 
  •               Mannschafts-Hessenpokal für TSV. Vordere Plätze erinnnen auch A. Opper, C. 
  •                Schröder, K. Rimbach und C. Zettler.
  • 1998      Minigruppe auf 25 Jungen und Mädchen von 7 - 12 Jahren erweitert. F. Schindler
  •                wieder Süddeutsche Meisterin.

ER und SIE

eine sehr lebendige Gruppe

- von Ellen Rödig -

Es begann Anfang 1979. Seit fast 20 Jahren existieren wir nun schon. Von Anfang an waren wir eine große Gruppe von etwa 10 Paaren, zu der sich später noch einige mehr hinzugesellten.

Als unsere Kinder klein waren, haben wir außer unserer monatlichen Übungsstunde auch etwas mit den Kleinen gemeinsam unternommen, wir machten Grillparties, fuhren über die Wochenende mal nach Altglashütten im Schwarzwald in eine Jugendherberge oder über Neujahr nach Oberaudorf in den Schnee. Waren des öfteren, ein langes Wochenende am Edersee in einem Haus der Universität. Dort unternahmen wir Wanderungen, eine Bootsfahrt und Besichtigungen. Nun sind die Kinder groß. Eine gemeinsame Reise jedes Jahr findet immer noch statt.Besonders schön war auch eine Busfahrt nach Freilaubersheim zu unserem Weinlieferanten. Dieser organisierte für uns einen wunderschönen Tag Wir begannen mit einer Besichtigung der Weinkellerei, danach fuhren wir in den Weinberg. Dort hatten wir Gelegenheit selbst Trauben zu lesen. Das endete mit einem deftigen Mittagessen, bei herrlichem Wetter im Freien. Dann wanderten wir nach Münster am Stein, wo uns der Bus abholte und nach Freilaubersheim zurück brachte. Dieser erlebnisreiche Tag endete mit einem Spanferkelessen im Ratskeller.

Unsere sportlichen Betätigungen beziehen sich neben dem Volkstanz, den wir in den früheren Jahren natürlich sehr viel intensiver ausübten, heute vorwiegend auf die Teilnahme an Prellbalturnieren des Turngaus Oberlahn-Eder. Wir nahmen an Turnieren in Frankenberg, Stadtallendorf und Hartenrod teil, wo wir stets die ersten drei Plätze belegten.

Am 26.Juni 1998 richtete der TSV Ockershausen im Rahmen seines 100jährigen Bestehens dasa Prellballturniert des Turngaus aus. Auch hierbei blieb der Siegerpokal beim TSV.

Wir sind eine "starke Gruppe", die sich einmal im Monat, am 2.Sonntag, trifft um zu turnen und anschließend noch ein wenig in gemütlicher Runde zusammenzusitzen. Wir halten nicht nur uns selber fit, sondern auch den Verein. Wir unterstützen ihn nach Kräften, organisieren Wettkämpfe, gestalten Feste und ... wir sind eben der "harte Kern" der Organisationsgruppe des Vereins.

 

Japanisch - Deutscher Jugendaustausch

was dies für den

TSV1898 Marburg-Ockershausen bedeutete ...

- von Wilfried Sauer -

Im Jahre 1973 wurde zwischen der Deutschen Sportjugend und der Japanischen Sportjugend eine Vereinbarung unterzeichnet, ab 1974 einen jährlichen Simultanaustausch durchzuführen. So kommen seit 1974 jährlich 125 junge japanische Sportler und Sportlerinnen mit ihren Betreuern nach Deutschland, während zur selben Zeit eine gleich große deutsche Delegation zu Gast bei der Japanischen Sportjugend ist. Im Jahre 1999 besteht dieser Austausch 25 Jahre; es werden dann ca. 6500 Jugendliche diese Traumreise unternommen haben.

Ziel dieses Jugendaustausches ist es, die überfachliche Jugendbildung in den Bereichen Sport, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern. Es steht das "voneinander Lernen" im Zentrum. Damit ist aber nicht nur die einfache Sammlung von Informationen gemeint, sondern die Ausweitung des Blickwinkels, die Erweiterung der Toleranzbreite und des Verständnisses durch die Konfrontation mit einer anderen Lebensweise. Jeder Teilnehmer nimmt aber nicht nur viele Eindrücke mit zurück in sen Heimatland, sondern durch die Struktur der Begegnung (Familienunterbringung, viele gemeinsame Aktivitäten in verschiedenen Regionen des Landes) hinterläßt jeder Einzelne Eindrücke bei vielen Personen. Die Breitenwirkung der Begegnung angesichts ihrer langen Dauer und der umfangreichen Teilnehmerzahl ist somit sehr groß.

Der Verein hatte 1978 zum ersten mal eine japanische Jugendgruppe zu Gast. In 1979 waren wir erstmals zum Gegenbesuch in Japan Region Kanto ca. 200 km im Umkreis von Tokyo.

Auch im Jahre 1983 hatten wir wieder eine Jugendgruppe aus Japan zu Gast, ein Jahr später erfolgte unser Gegenbesuch, der uns nun in den nördlichen Teil Japans führte.

Zum 3. Mal hatten wir in 1988 japanische Gäste. Diesem Besuch folgte unser Japanaufenthalt im Jahre 1989, der uns nach Kyoto, Katzo und Hitachi führte. Dort lernten wir das Leben in den Familien kennen Unsere Reise führte uns weiter nach Yokohama und endete in Tokyo.

Insgesamt nahmen 41 Jugendliche aus Marburg - Ockershausen an dem Jugendaustausch teil.

Wir haben uns auf diese Reise jeweils ein Jahr lang vorbereitet, denn es erwartete uns nicht nur eine völlig fremde Sprache und Schreibweise; es ist auch ein großes Verständnis in bezug die Lebensweise, die Speisen, die Essgewohheiten sowie Kultur und Religion notwendig. Erleben konnten wir das traditionelle Japan in Familien und kleinen Handwerksbetrieben z.B. Puppen- Flugkarpfen- und Nudelherstellung. Wir konnten Shinto und Zen - Zeremonien beobachten. Wir haben an Kendo(Schwertkampf), Sumoringkampf und Bogenschießen teilgenommen und die Besonderheiten des japanischen Hausbaues kennengelernt.

Wir besuchten Theater-, Musik-, Teezeremonie-, Origami- und Ikebana - Veranstaltungen. Ebenso das moderne Japan mit seinen vielen Problemen in den Riesenstädten wie Tokyo und Yokohama. Wir sahen moderne Produktionsstätte - Elektroindustrie Hitachi und Pioneer, den schnellsten Zug - Shinkansen, der immense Flugverkehr und der massenhafte Autoverkehr wurden uns ebenfalls als ein Indiz der schier unerschöpflichen Mobilität der Japaner augenscheinlich vermittelt.

In zahlreichen Diskussionen ist uns klar geworden, daß wir gegenseitig viel Verständnis aufbringen müssen, um unsere doch teilweise recht unterschiedlichen Lebensweisen zu verstehen und um Vorurtele abzubauen und wirklich freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten.

Es war eine sehr interessante, aufregende und aufschlußreiche Reisen mit beindruckenden Erlebnissen, die sicher keiner der beteiligten Jugendlichen missen will.

SENIORENTURNEN - SENIORENGYMNASTIK

- Gemeinsam aktiv älter werden -

Seit vielen Jahren bietet der Verein unter dem Thema "Aktiv im Alter" für ältere Menschen, die sich noch nie oder sehr lange nicht mehr aktiv betätigt haben das Seniorenturnen - die Seniorengymnastik an.Es ist ein vielseitiges Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot das die Ziele verfolgt Gesundheitheit erhalten und verbessern, Beweglichkeit erhalten und verbessern, Fähigkeiten neu entdecken bzw. verbessern, Kontakte knüpfen.

Die "Neuen" Älteren wollen ihre Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter bewahren. Auch sie wollen ihre Freizeit aktiv gestalten, wollen selber aus einem Angebot an Möglichkeiten, je nach ihrem momentanen Bedürfnis frei auswählen - sie wollen einen aktiven Ruhestand mit höherer Mobilität und Flexibilität innerhalb einer immer differenzierter werdenden Gesellschaft. Sie wollen aktiv am Leben in allen Bereichen teilhaben und mitbestimmen. Daher ist es notwendig, regelmäßig körperliche und gestige Beweglichkeit zu "trainieren". Die Teilnahme an Gymnastik und Spiel bietet auch die Chance in einer geselligen Gruppe durch ihre vielseitigen Möglichkeiten der Einsamkeit und Isolation entgegenzuwirken.

Daher heißt das Motto: Kommen - Mitmachen - Erleben

Eine Teilnehmerin meint dazu: "Seitdem ich da in dem Sportverein bin, geht es mir gut. Früher habe ich immer beim Doktor gesessen, heute gehe ich in den Verein."

 

DIE HERZSPORTGRUPPE

- Gesundheitssport im TSV -

Eigeninitiative - oder wie eine Abteilung entsteht

- von Gerhard Lauterbach -

Meine Erfahrungen und Erlebnisse in der Herzsportgruppe des Vfl Marburg, der ich auf Grund einer Herzoperation am 20. Oktober 1992 zur Rehabilition bis Juni 1994 angehörte, gaben mir den Anstoss auch beim TSV1898 MR-Ockershausen, dem ich seit dem 1.Januar 1968 angehöre, eine Herzsportgruppe einzurichten.

Nach umfangreichen Vorarbeiten, wie der Aufnahme der Verbindung und Verhandlungen mit dem Hessischen Behinderten- und Rehabilitations - Sportverband in Fulda, Beschaffung eines notwendigen Defibrillators und eines Notfallkoffers, Verhandlungen mit zahlreichen Ärzten - wegen der Übernahme der vorgeschriebenen Betreuung der zukünftigen Mitglieder der Herzportgruppe - während der Übungsstunden. Außerdem Verhandlungen um Hallenzeiten usw. usw. ....

Es ist mir dann gelungen, Herrn Dr. med. D. Leußler, Kardiologe aus Marburg, für die notwendige Betreuung zu gewinnen. Mit einem herzlichen Dank, für die zuverlässige und hervorragende Betreung, verbinde ich den Wunsch, daß Herr Dr. Leußler noch lange unserer Gruppe zur Verfügung stehen möge.

Unser langjähriges Vereinsmitglied, Frau Lilli Vogel, hatte sich bereit erklärt, als Übungsleiterin die Herzsportgruppe zu übernehmen. Sie besuchte die zusätzlich notwendigen Lehrgänge, die sie erfolgreich absolviert hat  und hat die spezielle Lizens erhalten. Auch hier drücke ich meinen herzlichen Dank mit der Bitte aus, daß auch sie sich noch viele Jahre der Gruppe widmen möge. So konnte nun die Herzsportgruppe am 7. Juli 1994 mit 7 Mitgliedern ihr Rehabilitationsprogramm beginnen.

Die Gruppe hat inzwischen eine große Anziehungskraft entwickelt und besteht z.Z. aus 39 Personen (32 Männer und 7 Frauen).

Die wöchentlichen Übungsstunden beginnen mit dem "Pulsen" und zwar:

1. Messung des Ruhepulses

2. Pulsmessung nach 1 Minute (möglichst) Dauerlauf

3. Messung nach 3 Minuten Dauerlauf

4. Messung nach 5 Minuten Dauerlauf

Mit Gymnastik wird die Übungsstunde fortgesetzt, den Abschluss bilden Volleyballspiele. Alle Aktivitäten sind als Rehabilitationsmaßnahmen besonders auf die Herz- (Koronar-) Erkrankungen abgestimmt.

Neben den sportlichen Reha - Maßnahmen wird auch Geselligkeit gepflegt und gefördert. So besteht die Möglichkeit die Übungsstunde in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen.

Eine gemeinsame Busfahrt am 7. September 1996 nach Schweigen/Weißenbourg im Elsaß und einen Bunten Abend mit Essen und Unterhaltung am 26. September 1997 im Clubraum der Turnhalle bildeten ein schönes Rahmenprogramm, neben den Übungsstunden. Ermutigt durch die erfolgreichen Veranstaltungen wird am 26.September 1998 wieder eine Busfahrt nach Speier - Schwetzingen oder nach Detmold zum Herrmannsdenkmal geplant. Wir hoffen, daß wir dabei einen weiteren schönen Tag in einer fröhlichen Gemeinschaft erleben werden.

 

Bei den "Altersturnern" sind die Herren unter sich!

Die Abteilung besteht schon sehr, sehr lange und erfreut sich immer noch eines guten Zuspruchs. Dabei ist das Wort "Altersturner" etwas irreführend. Denn die Alterspanne ist sehr groß. Von 35 bis 83 Jahre beteiligen sich bei uns Turner am Freitag abend in der Zeit von 20.30 Uhr bis 22.00 Uhr an der Übungsstunde. Hier trifft zu. "Man ist so alt wie man sich fühlt - aktivsein kennt keine Altersgrenze. Der Abteilungsleiter beschreibt den Übungsabend so:

Wir machen die erste halbe Stunde Gymnastik, um die Glieder aufzuwärmen. Danach ist Prellball angesagt und wehe, die halbe Stunde Gymnastik wird zu sehr überzogen. Dann wird eine Stunde Prellball gespielt. Die Begeisterung und der Ehrgeiz fehlen natürlich auch nicht. Aber es bleibt alles im Rahmen und macht viel Spaß.Wenn wir dann so richtig abgekämpft sind, wird geduscht und jeder freut sich schon auf den runden Tisch. Hier wird dann noch bei einer Flasche Bier und allen möglichen Diskussionen der Abend abgeschlossen. Wir sind je nach Jahreszeit , etwa 8 bis 15 Turner.

Frauengymnastik

- von Christel Emmerich -

Seit über 40 Jahren treffen sich jeden Montag Frauen zur Gymnastik; anfangs in der Halle der Theodor-Heuss-Schule. Seit 1970 steht uns die Turnhalle des Gymnasium-Philippinium zur Verfügung. In den ersten Jahren begleitete uns Frau Götzfried am Klavier, jetzt ertönt aus dem Kassettenrecorder flotte Musik. Öfters wechselten die Übungsleiterinnen. Seit einigen Jahren begeistert uns Donatha Waßmundt immer wieder miz einem abwechslungsreichen Bewegungsangebot.

Das vielseitige Programm erstreckt sich über Gymnastik, Circel-Training, Rückenschule bis hin zu Aerobic, Ballspielen und bei schönem Wetter gibt es ein Trainingsprogramm im Stadion. Stets schließt die Stunde mit Dehnungs- und Entspannungsübungen ab. Wir können das Programm dadurch mitgestalten, daß Donatha in Abständen nach unseren Wünschen und Besonderheiten fragt und dann versucht, diese in das Programm einfließen zu lassen.

Schon seit den ersten Jahren - unter der Leitung von Frau Döhler - wird von einem Teil der Gruppe, nach der Gymnastik Volleyball gespielt. Motto: Spaß ist die Hauptsache. Die Volleyballerinnen treffen sich öfters auch zu einem Glas Bier oder Sekt. Einmal im Jahr wird etwas Größeres unternommen. So waren wir z.B. 1996 in der Alten Oper in Frankfurt und 1997 zu einem Wochenende am Twistesee.

Über die "turnerischen Interessen" hat sich auch eine Freundschaft unter den Frauen entwickelt. So beschließen wir die letzte Stunde vor den Sommerferien z.B. mit einer Wanderung und einem gemeinsamen Essen, treffen uns während der Ferien zu Radtouren oder kehren in eine Eisdiele oder Kneipe zum gemütlichen Miteinander ein.

Alljährlich gestaltet die Frauengymnastikgruppe eine kleine Weihnachtsfeier bei der jede Teilnehmerin ihren Teil beisteuert. so daß ein reichhaltiges Buffet und Glühwein zur Verfügung stehen und in fröhlicher Runde Rückblick und Ausschau gehalten werden kann.

Es ist allen Teilnehmerinnen zu verdanken, daß über sportliche Aktivitäten hinaus eine sehr offene, freundliche Atmosphäre herrscht, in der sich jede wohlfühlt. Wer Lust hat, bei uns mitzumachen, ist herzlich willkommen.

Frauengymnastikgruppe des TSV - für alle Altersgruppen -

Selker Noor

Erinnerungen an ein Ferienlager

- von Bernd Noll -

Ende der 60er, anfang der 70er Jahre war bei uns im Verein das Zeltlager an der Schlei in der Nähe von Kiel, betrieben vom dortigen Turnermusikzug, ein beliebtes Ziel. In den Sommerferien bot es für wenig Geld die Möglichkeit mit anderen Musikern und Turnern aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen zu musizieren oder Tanz und Sport zu treiben. Für mich mit damals 16 Jahren war es die erste große Fahrt. Hans - Reiner Mudersbach hat mich in seinem Renault 16 mitgenommen. Ich filmte soviel Doppel8 auf der Autobahn, das ich mir später noch ein paar Rollen nachkaufen mußte. Im Lager angekommen (ohne Navi aber mit Karte die aber Hans-Rainer nicht brauchte, da er schon mal da war) wurde einem von der Lagerleitung ein Zelt zugewiesen nebenbei auch gleich die Lagerordnung erklärt und gezeigt, wo es zur Toilette ging.

Die lag abseits im Wald und nannte sich "Achtzylinder". Vier für Jungen und vier für Mädchen.

Ich hegte sehr große Bedenken mich darauf zu setzen. Trotz der schönen Aussicht in den grünen Wald. Sie wurde regelmäßig mit einem Sand/Cloor-Gemisch abgesträut, so das sich ein Schwimmbadgeruch mit dem Nadelwaldaroma mischte. Das war O.K. Die Zelte -  Bundeswehrstandart - waren schon mit vielen netten Altersgenossen belegt. Sie hatten einen Lattenrost als Boden und einen kleinen Graben rundherum wegen dem Regen. Bei Gewitter lief das Wasser aber auch schon mal quer durch´s Zelt, was der Laune aber nur wenig abträglich war. Wir hatten einen straffen Tagesablauf. So war Langeweile kein Thema. Mit sehr guten Übungsleitern - wie unser Günther Thursar - und einigen anderen, wo ich aber die Namen nicht mehr in Erinnerung habe.

In kurzer Zeit machten wir auf unseren Instrumenten mehr Fortschritte, als im ganzen Jahr mit den Übungsstunden zu Hause. Nach einem ganzen Vormittag musizieren, hatten wir einen Bärenhunger. Der wurde leidlich im großen Speisesaal (Eine Holzhütte mit Wellblechdach und Küchenabteilung) gestillt. Die Portionen waren sicher in Ordnung, aber in dem Alter hatte man schon eine halbe Stunde später wieder hunger. Ich erinnere mich, das Hans-Wilhelm Linker, damals stolzer Besitzer eines VW-Käfers, mit unserem norddeutschen Lagerleiter mal abends in den nächsten Ort fuhr und zurück mit einigen 1/2 Grillhähnchen kamen. Der Geruch der frischen Brathähnchen waberte über den Zeltplatz und fast alle mussten sich tierisch beherrschen um nicht über die beiden herzufallen. Ein wunderbarer Mensch mit Namen Hannes Auer, war die gute Seele des Lagers. Obwohl schwer behindert, warscheinlich duch den letzten Krieg, war er mit seinem einen Bein überall im Einsatz. Er schrieb täglich eine Lagerzeitung - meist in Versform- ("Selker Waldgeflüster") - wo man mitmachen konnte. Außerdem war ein S/W Fotolabor in Betrieb, so das es zu der Zeitung auch gleich die passenden Bilder gab. Hannes war auch der "Lagerarzt" (besondere Fachrichtung "Verstopfung"). Kurzum es waren wirklich schöne Wochen, sowohl im Lager als auch bei den Ausflügen, die wir unternahmen.

Friedrich Ludwig Jahn und die Turnbewegung

- von Wilfried Sauer -

Am 11.August 1778 wurde Friedrich Ludwig Jahn in Lanz (Prignitz), einem Dorf in der Altmark geboren. Gestorben ist er am 15.10.1852 in Freyberg (Unstrut). Seine Studienfächer waren Theologie und Philologie. Außerdem betrieb er Sprachforschungen. Er nahm prägenden Einfluss auf die Entwicklung des Turnens in Deutschland.

Der Predigersohn Jahn wird als diziplinlos, faul und aufsässig beschrieben. Aus diesem Grunde wurde er von  Schulen verwiesen und hatte auch an von ihm besuchten Universitäten einen schweren Stand.

Diese Charakterisierung Jahns als eines unangepaßten, etwas sonderbaren Zeitgenossen, die auch die neuere Sportgeschichte übernommen hat, ist naheliegend, aber für heutige Leser möglicherweise irreführend. Denn um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, war er nicht der einzige Student, der mit der Universitätsleitung in Konflikt geriet. Er gehörte vielmehr zu den Trägern einer studentischen Reformbewegung, die unter explizit politischen Vorzeichen angetreten war, die Universitäten von adlig - feudalen Kulturelementen zu befreien und sie im bürgerlichen Sinn umzuformen. Seine Unstetigkeit war über dies typisch für die Lebensweise der Romantik. Gegen die Charakterisierung als Sonderling spricht auch, daß Jahn durchaus eine bürgerliche Existenz anstrebte.

Nach seinem unrühmlichen Abgang von der Universität Greifswald, hielt er sich für einen Versager und da er sich verheiraten wollte, übernahm Jahn die nächstbeste Stelle einens Hauslehrers an. Diese persöhnliche Krisensituation fiel zeitlich zusammen mit der Krise des Ancien Regime in Preußen. 1807 hatte der Friede von Tilsit die katastrophale Niederlage der preußischen Armee gegen Napoleon besiegelt und zugleich den Reformkräften in Bürokratie und Militär Auftrieb gegeben. Die Maßnahmen zur Umgestaltung des preußischen Staates, die unter Karl Freiherr vorn und zum Stein eingeleitet, später unter Karl August von Hardenberg fortgesetzt wurden, umfaßten durchgreifende Reformen der Agrar- und Gewerbeverhälktnisse des Finanzwesens der öffentlichen Verwaltung, des Städtewesens, Schulsystems und Heeres.

Die Reformer bemühten sich, in der Bevölkerung für ihr in mancher Hinsicht außerordendlich     unpopuläres Konzept um Verständnis. Und sie versuchten, ein deutsches Nationalbewußtsein zu erzeugen, denn die französische Fremdherrschaft stieß keineswegs auf einhellige Ablehnung beim Volke.

Vor diesem Hintergrund wandten sich die Reformer an Dichter, Schriftsteller und Gelehrte und baten sie um Unterstützung bei der Neugestaltung des Staatswesens. Die Angesprochenen sollten so auf die Bevölkerung einwirken, daß dauerhaft bestimmte Denkweisen, Einstellungen und Emotionen erzeugt würden. Zu denjenigen, die in den Kreis dern Aktivisten aufgenommen wurden, gehörte auch Jahn, der als glühender Patriot und Preuße bekannt war.

Die Mitwirkung an Steins Unternehmen "Nationalmythos" kam nicht nur seinen politischen Vorstellungen entgegen, sondern befriedigte auch sein Geltungsbedürfnis und stellte eine Lösung seiner finanziellen Misere in Aussicht. Jahn hatte wohl die Aufgabe, sich in erster Linie an die Jugend aus dem Mittelstand zu wenden. Dies tat er auf zwei Wegen: Zunächst verfaßte, vermut-

lich im Auftrag der preußischen Staatsregierung, eine Arbeit mit dem Titel "Deutsches Volksthum" . In diesem Werk, das 1810 in Lübeck erschien, gab er weitschweifig Gedanken zeitgenössischer Popularphilosophen wieder. Er bemühte aus dem Zusammenhang gerissene und verdrehte Bibelzitate, um das "reine Christentum" der Deutschen hervorzuhebenund seine Vorurteile gegen Juden und Zigeuner zu belegen. Er wiederholte die sprachreformerischen Vorschläge aus seinem "Hochdeutschen Sprachschatz". Aber das "Deutsche Voklthum" enthielt auch Passagen, in denen Jahn in seiner eigenwilligen, aber einfachen Sprache die politisch organisatorischen Vorstellungen der führenden Reformer referierte. Bei seinen Ausführungen zum Thema "Nationalerziehung" lag offensichtlich ein Bericht Wilhelm von Humboldts an den König zugrunde, in dem ein von Stein beführworteter Plan zur Neuorganisation des preußischen Schulwesens dargelegt wurde. Was Jahn zur Neuaufteilung Deutschlands zu sagen hatte, deckte sich inhaltlich mit Empfehlungen seines ehemaligen Universitätslehres Ernst-Moritz Arndt. Und seine Vorschläge zur Bildung einer Volsmiliz, zur Milderung der Militärdisziplin und zur Abschaffung der Leibeigenschaft gaben Erörterungen Greisenaus aus dem Jahr 1908 wieder, in denen dieser, vom Stein und Scharnhorst ermutigt, dem König einen Plan zu einer Volkserhebung in Norddeutschland unterbreitet hatte. 

In Zusammenhang mit diesen Aufstandsplänen, die für die Reformpolitiker (auch nach Steins Entlassung aus dem preußischen Staatsdiest)  aktuell blieben, ist Jahns zweiter Beitrag zum "Unternehmen Nationalmythos" zu sehen: die Initiierung der Turnbewegung mit dem Ziel, eine paramilitärische Reservearmee zu rekrutieren. Die künftigen Volksverteitiger und Wehrleute sollten für den "Befreiungskrieg" gegen die Franzosen vorbereitet werden. Auchz diese Initiative, die sich direkt an die Jugend wandte, erfolgte in Absprache mit den zivilen und militärischen Behörden.

 

Die Entstehung der Turnbewegung

Das Turnen begann im Sommer 1810, nachdem Jahn mit Hilfe politischer Gesinungsgenossen eine Hilfslehrerstelle an der privaten Plamannschen Erziehungsanstalt in Berlin erhalten hatte.

Auf diesem Internat lehrte auch sein Freund Friedrich Friesen. An den schulfreien MIttwoch- und Samstagnachmittagen unternahm Jahn mit etwa 20 Schülern "Spaziergänge" vor die Tore der Stadt, um mit ihnen gymnastische Übungen zu machen. Nachdem sich noch interessierte Gymnasten angeschlossen hatten, wurde schließlich im Frühjahrndes Jahres 1811 ein Platz auf der Hasenheide vor dem Halleschen Tor als feste Übungsstätte umzäunt. Hier errichteten die Jugendlichen unter Jahns Anleitung Klettergerüste, bauten Schanzen, Sprunggräben und legten eine Rennbahn an. Bei den Teilnehmern handelte es sich überwiegend um Studenten und Schüler aus allen Ständen, "vom Waisenknaben bis zum Fürstensohn".

Als von 1812 an auch sonntags geturnt wurde, kamen auch junge Berufstätige auf die Hasenheide. Alle sollten geringfügige Beiträge leisten, um die Kosten für den Platzausbau und die Herstellung von Geräten zu bestreiten. Wer dazu außerstande war, sich aber durch"Fleiß und Sittlichkeit" auszeichnete, erhielt den Mitgliedsausweis (eine Ledermarke, "weil die Sache aufs Leder geht") unentgeldlich. Spätestens seit 1815, nachdem sich hunderte Berliner Schüler und Studenten als Freiwillige für den "Befreiungskrieg" gemeldet und zahlreiche Turner sich im Lützow´schen Freikorps bewährt hatten, erhielt die Turnanstalt auch Zuwendungen vom Staat.

Im Sommer 1817 war der Übungsbetrieb so weit durchorganisiert, daß 1400 bis 1600 junge Leute gleichzeitig üben konnten. Dieser Erfolg erklärt sich durch zwei Vorkehrungen: Zunächst einmal war militärischer Drill auf der Hasenheide verpönt. Denn das "Drillmäßige" widersprach den Vorstellungen Preußischen Reformer über die Reorganisation des Heeres. Außerdem wollte man vermeiden, daß die französischen Besatzungstruppen aufmerksam würden. Vor allem war die "Drillfeindlichkeit" Ausdruck von Jahns Überzeugung, daß die jungen Leute ihren Körper spielerisch fortbilden, Ehrgeiz und Selbstdisziplin entwickeln sollten. Was die von ihm gelehrten Übungen angeht, blieb Jahn also ein Zivilist. Eine versteckte militärische Note erhielten die Übungen jedochdurch die von Jahn gewälte Namensgebung "Turnen". Diese Bezeichnung war die zweite Vorbedinung seines Erfolges. Bei dem Wort handelte es sich ähnlich wie bei dem ebenfalls von ihm geprägten "Volksthum" um ein Kunstwortr, das auf sprachgeschichtlichen Studien und der Kenntnis der in der Gegenwart gebräuchlichen Dialekte beruhte. In den alten nordischen Sprachen bedeutete "Turner" nach Jahn "Krieger" und außerdem erinnere das Wort an das mittelalterliche Turnier. Ob die Zeitgenossen diese Überlegung tatsächlich nachvollzogen, ist unbekannt. Auf jeden Fall war mit Turnen nicht nur der Zweck der Übungen auf der Hasen- heide gemeint, sondern auch ein Begriff gefunden, der werbende Wirkung zeigte. Durch einen von Jahn gegründeten "Turnkünstlerrat" wurde in den folgenden Jahren mindestens 60 neue Bezeichnungen mit dem Wort Turnen" verbunden und durch Publikationen bekannt gegeben.

Dieser Rat bemühte sich auch um die Neubenennung von einzelnen Übungen, Geräten und der erzielten Leistungen. Es wurden fremdsprachige Bezeichnungen durch deutsche ersetzt: wie "Schere" stand nun für "croise´", "Fechten" für "rapier", aus "balancieren" wurde "schweben", aus "voltegieren" wurde "schwingen" etc. Knappe und verständliche Bezeichnungen entstanden wie: Reck, Barren, Wende, Kehre, Hocke, Grätsche, Holm etc. Diese Beispiele machen deutlich, daß hinter dem sprachgestalterischen Eifer mehr steckte als nur Deutschtümelei und Franzosenhass.

Eine allgemein verständliche und praxis geeignete Fachsprache des Turnens zu entwickeln, war Voraussetzung für den Erfolg der Sache selbst, die den meisten Zeitgenossen ganz neuartig erscheinen musste und es in der Form auch war. Dies erkannt zu haben, ist das Verdienst des "Turnvaters" Jahn, der durch seine in den studentischen Wanderjahren erworbene Kenntnis des Alltagslebens die nötige Sensibilität für derartige Probleme entwickelt hatte.

Längerfristig gesehen,war die Turnsprache eine unverzichtbare Voraussetzung für die Akzeptanz des Turnens für die Durchsetzung der "bürgerlichen" Leibesübungen im Gegensatz zu den höfisch-aristokratischen Bezeichnungen wie Voltigieren und Balancieren, indem sie ihnen neue Namen gab. Eine dritte Maßnahme, um das Turnen zur Grundlage einer sozialen Bewegung zu machen, war die Einbindung der Teilnehmer in eine egalitäre Gemeinschaft. Um die sozialen Unterschiede zu überdecken, verlangte Jahn von den jungen Leuten, daß sie sich mit "Du" anredeten. Sie sollten auch eine Uniform tragen. Diese sogenannte "Gleichtracht" war aus strapazierfähigem, ungebleichtem Leinen gefertigt, dem einzigen Stoff, der zu dieser Zeit in Deutschland überall erhältlich war. Die "Gleichtracht", die sich bei der Jugend großer Beliebtheit erfreute, war zugleich als "deutsche Volkstracht" gedacht.

Jahns Gleichheitsstreben entsprach dem Zeitgeist, zielte aber auch darauf, die "Turnerarmee" zu einemschlagkräftigen Kollektiv zu machen. Daher sollten sich die Turner ihrer Körpergröße entsprechend in "Riegen" einteilen und dann durch Wahl bestimmen, wer der Beste von ihnen sei. Dieser Beste, faktisch wohl meist ein Älterer, hatte dann als "Vorturner" die Riege zu leiten.

Die Fähigkeit des "Turnvaters" , Verantwortung zu delegieren, war eine wichtige Voraussetzung dafür, daß die jungen Leute mit Begeisterung bei der Sache blieben. eine weitere Voraussetzung war sein Talent, zu bestimmten Gelegenheiten eine weihevolle, quasi religiöse Atmosphäre zu erzeugen und Gemeinschaftserlebnisse zu vermitteln. Solche Gelegenheiten boten vor allem Wanderfahrten ("Turnfahrten") . Bei solchen Fahrten ließ Jahn Choräle singen, Gebete sprechen, und bei abendlichen Andachten pries er den "großen Turnwart, der die Welten lenkt". an historischen Stätten und vor imposanter, landschaftlicher Kulisse, veranlaßte er die Jugendlichen, sich gegenseitig Schlachtenberichte vorzulesen, wobei das Repertoire von der Hermannschlacht im Teuteburger Wald bis zu den Befreiungskriegen reichte. Diese feierliche Atmosphäre förderte den Wunsch der jungen Männer, selber Heldentaten zu vollbringen.

Auch die kompromißlose Demonstration der Turnerideale und sein antiautoitäres Auftreten beindruckten die Zeitgenossen, denen er allein schon durch seinen Bart, seine langen Haare und die altdeutsche Tracht auffiel. Wenn sich sogar Intelektuelle von Jahns Persönlichkeit eingenommen zeigten, überrascht es nicht, daß die Vorturner ihm bedingungslos folgten. Aber nicht nur die persönliche Ausstrahlung des "Turnvaters" war Voraussetzung für seinen Erfolg. Er verstand es auch, durch seinen Einfluss, die "Turnjünger", die in die Provinz zogen, materiell gut abzusichern, indem er durch Fürsprache ihnen zu einer guten Karriere verhalf. In den Jahren 1817/18, als es in Preußen ca. 100 Turngesellschaften und etwa 6000 Turner gab, verfügte Jahn über ein Höchstmaß an Einfluß. Der Turnuntericht war in den Fächerkanon der öffentlichen Schulen integriert.

Die "Deutsche Turnkunst" war mit staatlicher Autorität als Lehrbuch bestätigt und verbreitet worden. Diese Blütezeit des Turnens ging jedoch abrupt zu Ende, als das politische Klimawechselte und Metternich die Szene betrat. Im Jahre 1819 wurde Jahn für sechs Jahre in Festungshaft gesteckt. Auch in der nun beginnenden Zeit der "Turnsperre" wurde das Turnen in den Schulen gelehrt, als soziale Basis einer politischen Bewegung wurde es jedoch unterdrückt.

Die Vorturner um Jahn wurden zum Teil verhaftet, erhielten Berufsverbot oder wanderten nach Amerika aus. Der Zusammenhalt zerfiel. Um nicht erneut das Intresse der Bevölkerung zu wecken, veranlaßten die Behörden, daß die einst unter freiem Himmel abgehaltenen Turnübungen in geschlossene Räume verlegt wurden.

Es war dies das gezähmte Model des Turnens, das seit den 1840er Jahren von der bürgerlich-liberalen Bewegung aufgegriffen und in die Vereinsform überführt wurde.

Je populärer die Turnvereine im fortschreitenden 19.Jahrhundert wurden, desto weiter entfernte sich ihr Übungsbetrieb von der Jahn´schen Tradition. Die zum Teil mit städtischen Geldern gebauten Turnhallen galten bald als einzig akzeptable Übungsstätten, zumal sie erlaubten, den Vereinsbetrieb auch bei schlechtem Wetter aufrecht zu erhalten und die arbeitende Bevölkerung zu integrieren, die im allgemeinen erst nach Feierabend - und das hieß: nach Einbruch der Dunkelheit zu den Übungsstätten kommen konnte. Infolge der mit wachsenden Mitgliederzahlen eintreteden Überfüllung der immer noch geringen Anzahl der Turnhallen, zog daher auch über kurz oder lang das Drillelement in die Übungsstunden ein, denn nur auf diese Weise konnten die Vorturner Disziplin herstellen.

 

Jahns weiterer Lebensweg

Im Frühjahr 1825 wurde Jahn nach mehrjähriger Festungshaft freigesprochen, aber unter Polizeiaufsicht gestellt. Als Wohort wählte er das stille Städtchen Freyberg an der Unstrut. Aber seine Gegner veranlaßten, daß er nach 3 Jahren Freyberg wieder verlassen und acht Jahre in dem "Ackerstädtchen" Kölleda am Kyffhäuser verbringen mußte. Ostern 1836 ist er dann mit seiner Familie wieder nach Freyberg zurückgekehrt. In dieser Zeit war er politisch tätig und Abgeordneter der "Deutschen Nationalversammlung" in der Frankfurter Paulskirche um das Jahr 1848. Am 15. Oktober 1852 ist er verstorben.

Dieser Artikel von Wilfried Sauer hat als Grundlage den Aufsatz von

Christiane Eisenberg "Friedrich Ludwig Jahn der Erfinder des Turnens".

 

Der Turnerjugend-Gruppenwettstreit (TGW)

 ein Wettbewerb für Kinder und Jugendgruppen

- von Kirsten Fründt und Wilfried Sauer -

Der Turnerjugend-Gruppenwettstreit (TGW) hat seinen Ursprung im Wimpelwettstreit, einem Gruppenwettbewerb im Volkstanz und Singen, den Nikolaus Bernett beim Bundesjugendtreffen der Dutschen Turnerjugend in Marburg am 2./3.August 1924 erstmals ausrichtete.

Dieser erste Wettbewerb der Turnerjugendgruppen hat sich in vielfältiger Weise im Laufe der 74 Jahre weiter entwickelt.

Zu diesem vielseitigsten und schönsten Wettbewerb der Turnerjugend muß zunächst erklärt werden: Die Gruppe setzt sich aus 8 - 12 Mitgliedern zusammen; sie wählt sich für den Wettbewerb je nach Können und Möglichkeiten 4 Disziplinen aus den folgenden Bereichen aus:

  1. Bodenturnen ohne oder mit Kasten
  2. Gruppengymnastik mit Handgerät
  3. Singen
  4. Musizieren
  5. Tanzen
  6. Pendelstaffel
  7. Schwimmstafel
  8. Medizinball-Weitwurf
  9. Orientierungslauf

Die Gruppe startet entweder als Mädchengruppe, als gemischte Gruppe und als Jungengruppe. Bei diesem Wettbewerb kommt sowohl das musische als auch das sportliche Element zum Tragen und das als Gemeinschaftsaufgabe im Mittelpunkt der Gruppenarbeit. Hier wird für die Gruppe ein weites, vielfältiges Betätigungsfeld angeboten. Wettbewerbe auf Landesebene haben immer auch den Charakter von Treffen. Auf Bundesebene gehen diese Wettbewerbe über drei Tage mit gemeinsamen Übernachtungen und einem besonderen Rahmenprogramm. Dies ist immer ein eindruckvolles Erlebnis. Es ist häufig so, daß die Gruppen, die dort antreten, über viele Jahre eine freundschaftliche Verbindung miteinander eingehen und dann noch bei anderen Gelegenheiten miteinander in Verbindung treten.

Für die Kindergruppe des TSV1898 Ockershausen hatte der Wimpelwettstreit seit Anfang der 60er Jahre eine besondere Bedeutung. Auf Gauebene traten unsere Gruppen bei vielen Festen an. 1963 beteiligte sich dann erstmals eine Jugendgruppe beim Deutschen Turnfest in Essen und belegte von 72 Gruppen den 13.Platz. Das war ein schöner Erfolg für die Mädchen und Jungen. Seither beteiligen sich immer wieder von Zeit zu Zeit Gruppen unseres Vereins an diesen Wettbewerben. Anfang der 70er Jahre rückte dann Jugendgruppenarbeit wieder stärker in den Mittelpunkt des Vereinsgeschehens.

Zahlreiche Gruppen starteten auf Landesebene beim Gruppenwettstreit. 1975 fuhr eine Gruppe zum Bundeswettstreit nach Marktoberndorf und legte damit den Grundstein für eine lange und erfolgreiche Gruppenarbeit im Verein. In den folgenden Jahren nahmen wir jedes Jahr an Landes

-und Bundestreffen teil und die Erfolge blieben dann durch die kontinurierliche Arbeit auch nicht aus.

In den 80er und Anfang der 90er Jahren traten wir manchmal auch mit 2 oder 3 Gruppen an und erreichten auf Landesebene immer gute bis sehr gute Plätze und konnten sehr viele Pokale mit nach Hause nehmen. Dadurch stieg natürlich die Begeisterung bei den Gruppen und immer mehr Jugendliche schlossen sich an, um dabei zu sein.

Schwierig ist es bei den vielen Diziplinen immer Übungs- und Gruppenleiter zu finden, die diese Vielfältigkeit vermitteln können. Durch die fehlende Nachwuchsarbeit kam es dann, daß Mitte der 90er Jahre nicht mehr genügend jüngere Gruppenmitglieder nachfolgten und die älteren Mitglieder der Gruppe aufhörten. Dies führte dazu, daß die Gruppenarbeit zunächst ganz zum Erliegen kam.

Erfreulich ist es, daß seit 1997 wieder eine Mädchengruppe aktiv und unter der Leitung Kirsten Frundt, Silvana Hahlgans und Natascha Becker auch erfolgreich beim Landesturnfest in Wetzlar und beim Deutschen Turnfest 1998 in München mit den Disziplinen: Bodenturnen und Kasten, Singen, Jazztanz und Staffellauf - dabei gewesen ist.

Vielleicht sind die Mädchen so begeistert worden, daß sie auch weiterhin dabei bleiben, obwohl unser Angebot mit vielen anderen Aktivitäten sehr stark konkurrieren muß.

Turnen in der Chronik

des Hessischen Turnverbandes

Am 27.Oktober 1946 wird im Butzbacher Rathaus die "LandesfachgruppeTurnen im Landessportverband e.V." gegründet, der Hessische Turnverband.

12./13.  Februar 1949: Fachtagung des Landesturnausschusses in Marburg mit wichtigen Weichenstellungen für das Wettkampfwesen und für die Lehrarbeit.

Juni bis 2. Juli 1950: 1.Landesturnfest in Kassel.

15. bis 18. August 1952: Das Bundestreffen der Altersturner wird in Marburg veranstaltet. Von den 4200 Teilnehmern beteiligen sich 1711 an den Wettkämpfen.

3. bis 9. August 1953: 20. Deutsches Turnfest in Hamburg.

15. bis 17. Juli 1955: 2. Hessisches Landesturnfest in Darmstadt.

22. bis 28. Juli 1958: 21. Deutsches Turnfest in München.

Juni 1959: Die Deutsche Turnschule in Frankfurt wird feierlich eröffnet. Ein Sternstaffellauf von 44.215 Turnerinnen und Turnern aus 1788 Vereinen west demonstrativ auf die Bedeutung dieser neuen Einrichtung des DTB hin. An dem Staffellauf beteiligen sich auch Turnerinnen und Turner des TSV1898 Ockershausen.

8. bis 10. Juli 1960: 3. Hessisches Landesturnfest in Wiesbaden.

14. bis 21. Juli 1963: 22. Deutsches Turnfest in Essen.

9. bis 12. Juli1968: 4. Landesturnfest in Offenbach.

4. bis 5. Mai 1968: 16. Landesturntag in Frankenberg Eder. Werner Mais wird 1.Vorsitzender des HTV, Wilfried Sauer ist nach Horst Keller neuer Landesjugendwart.

7. und 8. Juni 1969: 11. Hessisches Landestreffen der Turnermusiker in Nauheim. Der TSV1898 - Musikzug offerierte eine Besetzung ganz ohne Spielleute und schnitt beim Wertungsmusizieren mit großem Erfolg ab. Der TSV1898 - Musikzug gab damit ein Signal für viele Turnermusiker, die von nun an vielfach die Umstellung zu Musikzügen in Hessen und in den anderen Länderen vorantrieben.

1969: In diesem Jahr werden Landes-, Bezirks- und Gauligen im Fachbereich Spiele eingeführt. Es findet die 1.HM im Ringtennis in Marburg statt.

17. und 18. Januar 1970: Nach mehrjähriger Unterbrechung findet in Marburg wieder eine "Große Fachwartetagung" statt.

16. bis 19. Juli 1970: 5. Hessisches Landesturnfest in Kassel.

September 1970: 1. Hessische Meisterschaften im Ringtennis in Marburg.

1971: Erstmals gibt es eine Trainerausbildung für Kunstturnen - weiblich - in Marburg. (120 Stunden; 14 Lizensen werden erworben).

5. und 6. Mai 1971: 12. Landestreffen der Turnermusiker und Spielleute in Marburg. Ausrichter: TSV1898 Ockershausen. Es vereint 1500 Musiker/innen und Spielleute in 34 Senioren- und 10 Schülerzügen. Schirmherr ist Bundesjustizminister Gerhard Jahn.

19. März 1972: 18. Landesturntag in Gießen: Auch die Landesjugendwartin ist jetzt Mitglied des Vorstandes. Inge Sauer vom TSV1898 Ockershausen nimmt diese Aufgabe wahr.

12. bis 17. Juni 1973: 24. Deutsches Turnfest in Stuttgart.

21. April 1974: 19. Landesturntag in Fulda. Rolf Byron (Waldems) wird als Nachfolger von  Wilfried Sauer als Jugendwart bestätigt.

7. bis 10. Juni 1974: 14. Landestreffen der Musiker und Spielleute in Seligenstadt. Der TSV1898 Ockershausen erzielt beim Wertungsmusizieren ein zuvor noch nie erreichtes Ergebnis eines Turnerorchester. Seine drei Züge erhalten jeweils die höchste Wertung. Beim letztmalig ausgetragenen leichtathletischen Dreikampf der Turnermusiker gwann ebenfalls der TSV1898 Ockershausen die Einzel- und Mannschaftswertungen.

19. bis 22. Juni 1975: 6. Hessisches Landesturnfest mit 7000 Teilnehmern in Marburg.

13. Januar 1978: Japanische Kunstturnriege Tokyo - Nippon - Tallku - Gaigatu zeigte ihre Künste im Georg-Gaßmann-Stadion.

Juli / August 1978: 5. Simultanaustausch Japan - Deutschland. Betreuung der japanischen Jugendlichen beim TSV1898 Ockershausen.

20. Juli bis 5.  August 1978: 25. Deutsches Turnfest in Hannover. 

18. Juli bis 12. August 1979: Japanfahrt der Jugendgruppe des TSV1898 Ockershausen zum 6. Simultanaustausch.

16. März 1980: 11. Vollversammlung der Deutschen Turnerjugend in Marburg-Cappel.

10. bis 13. Juli 1980: 7. Landesturnfest in Oberursel.

18. Dezember 1982: Sportschau des DTB in Marburg.

26. Juni bis 3. Juli 1983: 26. Deutsches Turnfest in Frankfurt.

19. Juli bis August 1983:10. Simultanaustausch Japan - Deutschland. Betreuung japanischer Jugendlicher durch den TSV1898 Ockershausen.

17. Juli bis 9. August 1984: Japanfahrt der TSV Jugendgruppe zum 11. Simultanaustausch.

8. bis 14. Juli 1985: 8. Hessisches Landesturnfest in Fulda.

13. September 1987: 2. Landeskinderturnfest mit 5600 teilnehmenden Kindern in Marburg.

31. Mai bis 7. Juni 1987: 27. Deutsches Turnfest in Berlin.

21. Juli bis 7. August 1988: Deutsch - japanische Jugendbegegnung in Marburg.

19. bis 23. Juli 1989: 9. Landesturnfest in Wiesbaden.

20. Juli bis 12. August 1989 Japanfahrt der Jugendgruppe des TSV1898 Ockershausen.

9. und 10. September 1989: 2. WM-Qualifikation der Kunstturner in Marburg.

27. Mai bis 3. Juni 1990: 28. Deutsches Turnfest in Dortmund/Bochum.

1. und 2. Juni 1991: Deutsche Jugendmeisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik in Marburg.

29. und 30. Juni 1991: 3. Landeskinderturnfest in Bürstadt.

21. September 1991: Trimmfestival in Marburg.

1. März 1991: Hessische Schülerbestenwettkämpfe im Rhönradturnen.

19. und 20. September 1992: Deutsche Mehrkampfmeisterschaften mit 1100 Teilnehmern in  Marburg.

12. und 13. Juni 1993: Gaukinderturnfest in Marburg.

20. November 1993: Hessenpokal Rhönradturnen.

20. März 1994: Modellveranstaltung "Aktiv im Alter" in Marburg. Halle Kaufm.Schulen.

15. bis 22. Mai 1994: Deutsches Turnfest in Hamburg.

12. Juni 1994: 29. Landesturhtag in Marburg. Der Hessische Turnverband heißt jetzt in einem Zusatz: " Verband für Freizeit und Gesundheitssport, Breiten- und Leistungssport".

24. Oktober 1995: Tag der Älteren in Marburg.

16. und 17. März 1996: Hessische Rhönradmeisterschaften.

20. Oktober 1996: Tag der Älteren in Marburg.

1997: Landesturnfest in Wetzlar.

31. Mai bis 7. Juni 1998: 30. Deutsche Turnfest in München.

 

 

Weißt Du noch ....?

Die Bilderfundgrube der Musikabteilung

von Hans-Wilhelm Linker, Heinner Weiershäuser, Klaus u. Beate Becker, u.a.

Deutsches Turnfest in Berlin 1968

Aus dem Fotoalbum von Hans-Wilhelm Linker

Frankreichfahrt 1966

Aus dem Fotoalbum von Heiner Weiershäuser

Deutsches Turnfest in Stuttgart 1973

12. Landestreffen der Turnermusiker und Spielleute 1971 in Marburg.

Aus dem Fotoalbum von Heiner Weiershäuser

Maribor 1999

Sommergewinn 2004 Eisenach